Besuch in der Entzugsklinik Bokholt

Bericht von dem Besuch von Annette Pauw und Stefanie Stoltzenberg in der Entzugsklinik Bokholt.

 

Hier werden die jungen Menschen aus dem COME IN! zuvor einige Tage betreut und bekommen einen qualifizierten Entzug. Wir waren am 8. November eingeladen um mit dem Leiter Simon Felix Rüdlin ein Gespräch zu führen.

 

500-1000 Personen werden im Jahr hier therapiert, Sie haben 4-8 Aufnahmeanmeldungen am Tag, von denen häufig nur drei erscheinen. Die anderen überlegen es sich in letzter Minute wieder anders, was die Planung sehr schwierig macht. Abbrechen kann man, wann immer man will. Am Wochenende ist die Klinik leerer, am Montag wieder voll. Zur Zeit sind ca. 20 Jugendliche dort. Wir haben uns die Räumlichkeiten angeschaut.  Es handelt sich hier um eine Klinik mit dem Charme der sechziger/siebziger Jahre Architektur. Das COME IN! ist dagegen richtig heimelig. Die Aufenthalts- und Sporträume dagegen sind ansprechend und gut ausgerüstet. Die Klinik hat junge und ältere Patienten. Letztere sind meistens nicht älter als 40. Die Wiederholungsquote liegt bei 50%. Einige landen in anderen Kliniken, sterben, ganz wenige schaffen den Ausstieg.

 

Die Suchtfaktoren sind Opiate, Alkohol und Benzopiate (Tabletten, die beruhigen wie Tavor ). Auf unsere Frage, wie man mit den Enttäuschungen lebt, dass jemand, der es geschafft hat, clean zu sein, so häufig einen Rückfall hat, sagte der leitende Arzt: "Das helfen wollen darf nicht die einzige Grund sein, warum man gerne Arzt werden möchte. Es geht um das Interesse an den Menschen und hier hilft es, wenn man auf die kleinen Erfolge blickt." So geht es uns sicher auch, wenn wir uns um die Jugendlichen in Allermöhe kümmern. Apropos – die Leitung der Klinik war sehr erstaunt von "Licht im Schatten" zu hören. In all den Jahren gab es keinen Hinweis auf uns. Das hat uns doch erstaunt, da der Träger von beiden Einrichtungen die Therapiehilfe ist. Leiter Rüdlin wäre such sehr glücklich, wenn es eine bessere Zusammenarbeit aller Einrichtunegen geben würde: "Entzugskliniken und Reha-Zentren müssen besser zusammen arbeiten“, so Rüdlin.

 

Interessant waren die Bemerkungen zur Depression. Um nicht über eine Verschlechterung des Krankheitsbildes der Bevölkerung zu sprechen, ändert man gerne den Namen: Statt Depression spricht gerade von heute lieber von Burn out, das ist gesellschaftsfähig und keine Krankheit… !

 

Bei den Jugendlichen geht auch das Problem des „nicht binären“ vorbei, das nicht wissen, wer man – um mit Kim de Horizon zu sprechen – „ wer Mensch“ ist. Das erschwert das Erwachsenwerden durch ein weiteres Fehlen von Grenzen.

 

Das Rauchen, so wurde uns mitgeteilt, ist die Einstiegsdroge zur Sucht. Auf meine Frage, warum man genau dieses nicht verbietet, erhalten ich die Antwort: „Dann würden noch mehr die Therapie abbrechen oder gar nicht erst antreten.“

 

Dies war ein interessanter Besuch, der aber durchaus auch ernüchternd war!

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